Dateninkontinenz

Ein akutes Problem vieler Website-Betreiber

Datencluster als Gesamtschau

Die überwältigende Mehrheit der Website-Betreiber melden ihre Besucher an Datensammler wie zum Besipiel Google oder Facebook. Dies geschiet nicht nur durch sogenannte Cookies, sondern vor allem auch durch das Einbinden von "praktischen" Services wie Analytics, Fonts oder Tag-Manager, die alle Besucher direkt an Drittserver melden.

Mit der Zeit wird so eine gigantische Datenmenge weiter gegeben, ohne dass sich die BesucherInnen der Website wirklich wehren können.Wer davon einen Eindruck gewinnen möchte, installiert am besten die Firefox-Extension Lightbeam.

Der äussere Kranz von einzelnen, runden Punkten zeigt Websites, die darauf verzichten, ihre Besucher an Drittserver zu melden. Die geballte weisse Wolke zeigt Websites, die bei Besuchen Drittserver kontaktieren und so die BesucherInnen weiter melden.

Dies betrifft die "Privacy" der BesucherInnen, aber auch ene der Website-Betreiber, da sie so ganz naiv ihren KundInnen- und InteressentInnen-Stamm für gezielte Werbung möglicher Konkurrenten preisgeben.

Einzoomen in die Daten

Beim Einzoomen in die Daten sieht man, wie die Server miteinander verbunden sind. Rund sind besuchte Websites dargestellt, als kleine Dreiecke jene Server, die während des Website-Besuchs kontaktiert werden. In diesem Bild sieht man die Verbundungen zu einem (von vielen) Google-Servern, nämlich www.googletagservices.com. Weitere Google-Server sind zum Beispiel fonts.googleapis.com, fonts.gstatic.com, maps.google.com, ajax.googleapis.com, www.googleadservices.com, lh3.googleusercontent.com, play.google.com, www.google.ch...

Dateninkontinenz bei Spitälern

Wer sich auf der Website eines Spitals zu einem Gesundheitsthema informiert, läuft Gefahr, dass sein Interesse zum Beispiel an Inkontinenz brühwarm an die Datensammler weiter gegeben wird. Das untenstehende Bild entstand durch den Aufruf von Websites von im Spitalverband H+ organisierten Spitälern. Unten links ist ein Kranz von Spitälern zu sehen, die Daten nicht oder zurückhaltend weiter geben.

Beim unteren Bild sind die von Spital-Websites kontaktierten Google-Server rot eingefärbt (kleine rote Dreiecke). Bei diesen laufen besonders viele Daten von Spital-Website-BesucherInnen ein.

Die geschwätzigen Schweizer Medien...

Wer zum Frühstückskaffee einen NZZ-Artikel liest, wird ähnlich wie beim Grand Lever von Louis XIV. von rund 30 Fremdinstanzen beobachtet, darunter auch Server von Google und Facebook. Ein kleiner Lightbeam-Rundgang bei 29 Schweizer Medien zeigt, dass fast alle ihre geneigten LeserInnen an Drittparteien weiter melden. Gleichzeitig beklagen sie sich, dass Google & Co. ihnen die Webung abgraben - dabei tragen die Medien selber aktiv dazu bei, dass die Datensammler ihre Besucher- bzw. Kundendaten zur Auswertung erhalten.

Auf dem Bild sind einzig die "Republik" und die "WoZ" nicht inkontinent (links im Bild). Die je zwei sichtbaren Verbindungen führen zu Servern, die unter der eigenen Domain laufen.

Interessieren Sie sich für Datenschutz?

...Google & Co werden darüber informiert, wenn Sie zum Beispiel die Websites von Kantonalen Datenschutzbeauftragten besuchen. Auch hier sind die kleinen roten Dreiecke Google-Server, die von den Websites der Datenschutz-Beauftragten über Besucher informiert werden.

Und was nun?

Das Internet ist mit dem allgegenwärtigen Datensaug-Mycel flächendeckend durchwachsen. Die obenstehenden Beispiele lassen sich auch für NGOs, Psychiater, Ärzte, Behörden, Verbände, Institutionen etc. fast beliebig reproduzieren. Es fehlt bei den entsprechenden Akteuren an Bewusstsein und Verantwortung. Man zeigt mit dem Finger auf die NutzerInnen, die angeblich ihre Daten fahrlässig preisgeben. Aber auch wenn sie es nicht tun und sich vorsichtig verhalten: Die meisten Website-Betreiber unterlaufen solchen Selbstschutz mit ihrer Dateninkontinenz.


Kontakt

Marc Véron

kontakt(at)dateninkontinenz.ch

Datenschutzerklärung: Diese Website setzt keine Cookies und nimmt keinen Kontakt zu Drittservern auf. Es fallen die üblichen technischen Log-Daten bei der Hosting-Firma an, die wir nicht auswerten.

Stand 30.4.2021


Bande Dessinée über Dateninkontinenz

Pidi & Norf: Siebenspiel Band 3 - Goggel, Fatzke & Zwitsch.

Bande dessinée über das Internet und die Grosse Nase am Mount Rushmore.
ISBN 978-3-7526-5875-0, 2021, Kartoniert, Paperback, Deutsch, 56 farbige Seiten.

Das Eingangsbild mit dem Datencluster dient als Hintergrund in einer Episode dieser Bande Dessinée, am Anfang eines wilden Rodtrips durch das Internet.

www.siebenspiel.ch